Aus etwas Abschiedsschmerz wird furiose Action

Matt Woosey

Aus etwas Abschiedsschmerz wird furiose Action

Matt Woosey bringt den Bürgerpark gegen Ende ganz aus dem Häuschen / Letztes Konzert der Reihe “Musik hautnah” auf der LGS.

LAHR (ulb). Am Freitag Abend ist der britische Singer und Songwriter Matt Woosey auf der Bürgerpark-Bühne aufgetreten. Mit seinen von stimmungsvoll bis fetzig klingenden Songs hat er den Schlusspunkt unter die Reihe “Musik Hautnah” auf der Landesgartenschau gesetzt. Organisatoren waren wiederum die Badische Zeitung und die Rockwerkstatt Lahr.

Wäre er Franzose, würde man überrascht ausrufen: Oh là là, so ein Filou! Matt Woosey, ursprünglich aus Cornwall stammend, aber nun in der Ortenau beheimatet, vermittelt zu Beginn des Konzerts den Eindruck des netten Jungen von nebenan, nuckelt brav am Mineralwasser-Fläschchen und witzelt: “Ich stelle fest, mein Bier hat die falsche Farbe”, denkt laut darüber nach, ob er in den Augen seiner Schwiegermutter wohl die richtigen Klamotten anhat, erzählt ein paar Anekdoten von seinem Konzert-Aufenthalt auf Borkum und freut sich über “kein englisches Wetter”.

Seine ersten Songs fließen auch eher auf die softe Tour aus den Gitarren mit den Stahlsaiten. Ein erster Blues, in dem oft die Textzeile “I pray to The Lord” erklingt, ein mit sanftem Timbre vorgetragenes Liebeslied an seinen VW-Bus, ein bisschen Heimweh-Feeling in “Nowhere is home to me”, dann ein Cover von John Martyn: “Over the Hill”. Und schon hat man ihn selbst, den Blues, wird einem bewusst, dass diese schönen Sommernachts-Konzerte unter freiem Himmel bald zu Ende sein werden, es riecht nach Abschied, und dieser sympathisch und in sehr passablem Deutsch vor sich hin plaudernde Brite macht den passenden Soundtrack dazu. “Ach je”, möchte man seufzen, sich ein Tränchen ins Knopfloch stecken, sich ein bisschen melancholisch suhlen in den schönen Tönen.

Doch damit wird es nix! Denn Matt Woosey, wohl eher ein Nachtmensch, wird munterer und frecher und dynamischer, je mehr der Abend fortschreitet. Ist es am Anfang noch ein mit unvermittelten Stopps daherkommender “Walking Blues”, fegt schon kurz darauf mit Jippiieh ein locker aus der Kehle geschmetterter Cowboy-Song durch die Gegend.

Einen seiner drei furiosen Konzert-Höhepunkte legt Woosey mit seiner irre spannenden Version des Country Klassikers “Jolene” auf die Bühne: Der Folksong, der durch Dolly Parton in den 1970er bekannt wurde, ist im Original ja eher eine schnulzige Ballade über eine Frau, die ihre Rivalin weinerlich darum bittet, ihr nicht den Mann auszuspannen. Eingebettet in das schwülstige Textumfeld legt Woosey einen Wahnsinns-Mittelpart, in dem er mit allen Mitteln seiner virtuos beherrschten Gesangs- und Gitarren-Kunst ausmalt, was denn wäre, wenn die böse Diebin das Herz des Gatten wirklich gestohlen hätte und beide diesen Pakt eingegangen wären “Don’t tell nobody!”. Da gibt es vom wilden Fauchen und Saitenkratzen über ein teuflisches Falsett bis zum trotzigen Aufbegehren alles, was einem Schauer über den Rücken beschert.

Ungestüm und technisch brillant.

Ebenso ungestüm und technisch wirklich brillant bringt er zum Schluss den “Little Red Rooster”, setzt mit der Zugabe “Freight Train” noch eins drauf, und bringt die vielen Besucher mit wildester Action an der teils auch auf den Knien mit Bottleneck gespielten Gitarre so aus dem Häuschen, dass sie sich nur widerstrebend damit abfinden, dass auch das tollste Konzert irgendwann zu Ende gehen muss.

Tröstlich für die, die Woosey an diesem Abend auf der Landesgartenschau infiziert hat: In Münchweier betreibt er zusammen mit seiner Ehefrau Lisa eine neue Kultur-Location, “Gallagher’s Nest”.